Die Organistin Barbara Dennerlein

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(C) Johannes Tichy

Der Weg von der Hammond B3 zur Kirchenorgel

Am 13. April bist Du ja in Hamburg und spielst auf der romantisch-symphonischen Kuhn-Orgel in der Kulturkirche in Altona. Wie war Dein Weg von der Hammond B3 zur Kirchenorgel?

Barbara Dennerlein: Ja, also das begann bei mir relativ spät, ich habe ja mit der Hammond B3 quasi schon Karriere gemacht, aber Kirchenorgel hatte mich immer interessiert, und ich wurde zufälligerweise 1994 für die Bach-Tage Würzburg vom Veranstalter gefragt, ob ich nicht mal Lust hätte, Jazz auf einer Pfeifenorgel zu spielen. Ich hatte große Lust und habe dann gesagt, ja, das mache ich sehr gerne. Ich musste mich natürlich mit dem Instrument vertraut machen, und das wurde dann ein großer Erfolg. Ich hatte damals die Möglichkeit, in München in eine Kirche zu gehen, um immer regelmäßig auch am Instrument zu üben. Der Kantor hatte mir dort den Schlüssel gegeben, und so konnte ich mich auf dieses Instrument einstellen, weil das ja wirklich ein großer Unterschied zur Hammondorgel ist. Ich habe das dann immer mehr gemacht, und die Leute waren begeistert, ich habe viel dazu gelernt und habe mich damit beschäftigt, auch speziell für dieses Instrument zu komponieren und heute glaube ich, habe ich etwas erreicht, was doch relativ einzigartig ist, eben auch durch mein Pedalspiel, ohne das ja Kirchenorgel eigentlich gar nicht geht, eben meine Musik auf diesem Instrument zu spielen. Und jetzt spiele ich quasi parallel Konzerte auf der Hammond B3 und auch der Kirchenorgel.

Du möchtest Dich ja gerne vor einem Konzert an einer Dir noch nicht bekannten Kirchenorgel einige Zeit vorher mit dem Instrument vertraut machen. Was sind die Herausforderungen dabei, ist jede Orgel wirklich so einmalig?

BD: Genauso ist es: jede Orgel ist absolut einmalig, eine eigene Persönlichkeit. Es gibt hier sehr sehr große Unterschiede. Einmal natürlich die Größe des Instruments - die Kleinsten, die ich so spiele, haben vielleicht minimum schon so 23 Register und die größte, die ich bislang  gespielt habe, hatte über 200 Register, auf dieser riesigen Woehl-Orgel habe ich in Schweden auch eine CD aufgenommen („My Moments“). Dann ist die Klangfarbe der Kirchenorgel jedes Mal anders. Das gilt auch für die Konzertorgel, es stehen ja auch wunderschöne Orgeln in Konzertsälen, auch in der Hamburger Elbphilharmonie, und jede hat eine andere Auswahl von Klängen, mit denen sie bestückt ist. Auch abhängig davon, wer der Orgelbauer ist und wie die Akustik ist. Ja, dann gibt es verschiedene Stilistiken, es gibt romantische Orgeln und es gibt barocke Orgeln, es gibt Orgeln auf denen beides geht, mechanische Orgeln, elektrische Orgeln. Bei mechanischen Orgeln, da gibt es keine Spielhilfen, da muß man alles per Hand machen, bzw. der Anschlag geht unter Umständen auch sehr schwer, bei den elektrischen geht der Anschlag unter Umständen sehr leicht. Jede Orgel hat verschiedene Werke, es gibt ein Hauptwerk, das ist das wichtigste, dann gibt es halt ein Oberwerk, und manche Orgeln haben ein Brustwerk, welches man, wie der Name schon sagt, direkt vor der Brust hat und das hört man dann sehr laut. Und wenn man dann auf der Empore sitzt, ist das für das Publikum unten natürlich wieder ganz anders, als man es selber hört. 

Dann gibt es natürlich die schöne Situation in einem Konzertsaal, wo man vielleicht sogar einen mobilen Spieltisch hat, da kann man sich den Klang der Orgel selbst sehr gut anhören, da hört man das sehr gut. Ich habe auch Situationen gehabt, z.B. bei meinen Tourneen in Russland, da sind viele Orgeln ja nicht in Kirchen, sondern in Konzertsälen oder Konservatorien, da sitzt man oft als Organist quasi wie in einem Schrank und über einem sind die ganzen Pfeifen angeordnet, das heißt, man hört das selber sehr schlecht. Es ist für den Organisten immer wirklich eine Herausforderung. Dann ist auch die Anordnung der Registerzüge oder Hebel, je nachdem was für eine Mechanik zugrunde liegt, sehr unterschiedlich, ob das links und rechts oder oben angeordnet ist und wie die Werke verteilt sind. 

Dann gibt es Orgeln, die haben einen sogenannten Setzer-Computer, da kann man Registrierungen, die man sich aus den einzelnen Klangfarben zusammenstellt, vorbereiten und kann das schon abspeichern. Man kann sich ja vorstellen, wenn man alleine spielt, ohne jemanden, der einem registriert, wie das viele Konzertorganisten machen, muss man selber alle Klangwechsel vornehmen, und wenn man jetzt zum Beispiel eine mechanische Orgel hat und möchte von ganz leise auf ganz laut gehen und einen großen Wechsel im Klang haben, dann muss man vielleicht gleichzeitig 15 Register ziehen und das im Bruchteil einer Sekunde beim Spielen, das versteht also jetzt auch schon der Laie, dass das fast nicht möglich ist. Da ist ein Setzer-Computer eine feine Sache, weil man viel freier ist mit Klangwechseln, als wenn man das alles von Hand machen muss. Also es gibt wirklich viele Unterschiede. Dann sind oft die Positionen, wie man sitzt, sehr anders, es gibt auch verschiedene Arten von Pedalen, dann gibt es verschiedenen Tonumfang der Manuale. Um wirklich das Maximale aus der Orgel herauszuholen und auch alles zu entdecken und schön vorzubereiten, muss man sich unbedingt vorher mit der Orgel beschäftigen. Das mache ich in der Hauptsache am Vortag, damit ich dann am Konzerttag mit frischen Ohren auch mein Konzert spielen kann.

Was erwartet uns in der Kulturkirche in Altona?

BD: Ich werde eine sehr abwechslungsreiche Zusammenstellung aus meinen Kompositionen präsentieren, es wird sicher etwas Bluesiges dabei sein, es wird grooven und swingen, und es werden sicher auch einige klassische Anmutungen dabei sein, es wird etwas Ruhiges, etwas Schnelles, etwas Bewegtes, also ich möchte gar nicht so viel verraten, aber ich sehe ein Konzert immer auch wie einen Film, also mit einer Entwicklung und mit den unterschiedlichsten Facetten, und ich versuche es einfach spannend zu machen. Also ich denke, es wird für Jazzfans und auch für Nicht-Jazzfans, die hoffentlich auch kommen werden, sicherlich spannend werden. Und am Ende hoffe ich und  glaube ich aus meiner Erfahrung heraus, dass es allen gefallen wird – und das ist dann das schönste für mich, wenn ich ein zufriedenes und glückliches Publikum habe und das Lächeln der Leute sehe.

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