Björn Lücker über Gary Peacock

News

(C) Rose Anne Colavito

„Ich liebe die Musik von Gary Peacock seit vielen Jahren“

…sagt der Hamburger Drummer Björn Lücker. In der Reihe „Jazz Heroes“ tritt er am 27. November gemeinsam mit Peacock – seit 1983 Bassist im Trio von Keith Jarrett – und Florian Weber am Flügel im Stage Club auf. Wir wollten wissen, wie dieses außergewöhnliche Projekt zustande kam.

Wie kommt man zur Ehre, sich einen Helden des Jazz als Partner wünschen zu können?

Die Jazz Federation hat ja diese Reihe „Jazz Heroes“ ins Leben gerufen: Hamburger Musiker, die seit langem die Szene prägen, können sich für einen Abend einen Traummusiker ihrer Wahl wünschen, jemand, mit dem sie immer schon spielen wollten. 

„Gary Peacock – für mich einer der größten Jazzbassisten“ - Das ist bei dir Gary Peacock?

Genau. Als Christophe Schweizer (Vorsitzender der Jazz Federation, Anm. des Interviewers) mich darauf ansprach und mich aufforderte zu überlegen, mit wem ich spielen wollte, sagte ich: „Da muss ich nicht überlegen, das weiß ich.“ Mit Gary Peacock wollte ich immer schon mal spielen, weil ich seine Musik seit vielen Jahren liebe und verehre – sein Spiel, seinen Sound, seine Kompositionen. Er ist für mich einer der größten Jazz-Bassisten, wenn nicht der größte. Und dann hat Christophe Schweizer gesagt: „Wunderbar, dann mach mal.“ (lacht)

Und wie macht man das?

Man braucht Glück und Geduld. Drei Tage nach unserem Gespräch spielte Joey Baron im Stage Club, der Schlagzeuger aus Garys aktuellem Trio. Den quatschte ich nach dem Gig an, stellte mich vor und fragte ihn, ob es denn überhaupt eine Chance für dieses Projekt gäbe. Er wollte eine ausführliche Email von mir, leitete die an Gary Peacocks Manager weiter, und als ich schon dachte, die Sache hätte sich erledigt, klingelte mein Handy. Am Telefon der Manager: Gary hatte Interesse. Dann musste alles ausverhandelt werden, und ich habe zusätzlich eine kleine Tour mit insgesamt fünf Gigs und einigen Masterclasses organisiert.

Mit dabei ist Florian Weber. 

Ja, wir spielen gemeinsam im Quartett mit Anna-Lena Schnabel, kennen uns also gut. Und ich weiß, dass er dem ECM-Stil sehr zugetan ist. Er hat dort seine aktuelle CD aufgenommen. Das wird sehr gut passen.

Was werdet ihr spielen, und wer wählt die Stücke aus?

Das machen wir gemeinsam, und jeder wird Kompositionen beitragen. Aber was wir wirklich spielen werden, entscheidet sich erst einen Tag vor dem Konzert, wenn wir zu unserer ersten und einzigen Probe zusammenkommen. Was ich auf Garys aktuellen CDs höre und was mir auch der Manager bestätigt hat: Gary möchte vor allem frei spielen. Es gibt kurze Fragmente eines Themas, und dann entwickelt sich die Musik intuitiv aus der Interaktion der Musiker.

Welches ist deine liebste Platte von Gary Peacock?

Es gibt viele, aber „Tales of another“, seine erste Platte bei ECM unter seinem eigenen Namen, 1977 mit Keith Jarrett und Jack DeJohnette aufgenommen, ist mir die liebste. Und darauf besonders der Song “Vignette“, ein echtes Herzstück von mir. Auch das werden wir spielen.

Bist du aufgeregt?

Aber klar. Es ist eine großartige Erfahrung, mit jemandem spielen zu können, den man verehrt, den man so gut von Aufnahmen, aber eben noch nicht persönlich kennt. Aber auch, wenn Gary Peacock eine Legende ist – ich habe vergleichbare Erfahrungen schon mit anderen Musikern gemacht. Man geht am besten ganz frei und ohne Erwartungen in das gemeinsame Spiel hinein. Wenn man offen ist für den Moment, kann etwas Besonderes entstehen.

 

Das Interview hat Sven Rohde, Coach und Autor, geführt (http://svenrohde.com)

Alle Infos zum Konzert gibts hier

Weitere Konzerttermine des Lücker-Peacock-Trios findet man hier

Die Reihe „Jazz Heroes“ der Jazz Federation Hamburg wird von der Behörde für Kultur und Medien aus dem Musikstadtfonds gefördert. 

Zurück

Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Artikel

Bitte rechnen Sie 6 plus 9.