Jazz in Hamburg: Vom Musical in den Jazzclub

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(C) Darrin L. Byrd / Tanja Hall

Der Weg von der Hammond B3 zur Kirchenorgel

Darrin Byrds Liebe zu Deutschland entflammte, als er 1999 mit dem New Yorker Tour- Ensemble von „Riverdance“ in Hamburg gastierte. Beim morgendlichen Joggen um die Alster erlebte er den Sonnenaufgang und beschloss, „hier möchte ich leben“. Die Chance ergab sich für den Afro-Amerikaner mit dem Musical „König der Löwen“. Byrd spielte fast acht Jahre lang Mufasa, den königlichen Vater des Löwenjungen Simba. Der Bariton wurde von Publikum und Kritikern gefeiert. „Zum König der Löwen“ und den anderen Erfolgsstücken kommen mehr Besucher in die Hansestadt als zum Hafenbesuch.

Der Job im Theater brachte Byrd in Kontakt mit Hamburgs Jazzszene, denn viele Absolventen der Jazz-Abteilung der Musikhochschule verdienen sich einen wesentlichen Teil ihres Lebensunterhalts als Instrumentalisten bei den in der Stadt laufenden Musicals. Zu den gestandenen, überall einsetzbaren Jazzprofis zählen u.a. der Schlagzeuger Kai Bussenius, der Bassist Philipp Steen und der Pianist, Keyboarder und Komponist Boris Netsvetaev. Mit dem aus Sankt Petersburg stammenden Boris lebte Byrd über mehrere Jahre in einer Wohnung. Da entstand die Idee, eine Band zu bilden, die Elemente von Soul, Jazz und Funk fusioniert. Der Amerikaner schrieb Texte, der Russe vertonte sie, und bald probten die beiden mit ihren Freunden Kai und Philipp. Es war die Geburtsstunde einer Band, die sich „Souldacity“ nennt.

Der Musical-Routinier Byrd hatte keine Probleme mit der Umstellung. Zwar hatte er in den Vereinigten Staaten Gesang und Schauspiel studiert. Aber Jazz war ihm vertraut, seit er in jungen Jahren an einem Workshop mit dem Trompeter Clark Terry teilnahm. Er dachte damals gar nicht an eine Jazz-Karriere und entschied sich für die florierende Musical-Branche, weil in diesem Genre seine Fähigkeiten als Schauspieler mehr zur Geltung kommen. Byrd spielte Hauptrollen in „Big River“ und „Jesus Christ Superstar“. Heute betrachtet er die Hansestadt als seine Heimat und hat keine Lust, ins Amerika von Donald Trump zurückzukehren.

Mit der neuen Band läuft es gut. Neben eigenen Kompositionen hat das Quartett Soul- und Jazz-Standards im Repertoire. Boris Netsvetaev schrieb Arrangements für das Keyboard-Bass-Drum-Trio im Rücken des Sängers, das zuweilen geradezu bigbandhaft klingt. Souldacity wird bei Club- und Event-Auftritten gefeiert. Die Debut-CD hat den Titel „These Are The Days“, ein Stück von Netsvetaev mit einem Text von Darrin Byrd. 

 

Hans Hielscher

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